Namen von Kasernen und Einheiten der Bundeswehr

Die Bundeswehr hat zahlreiche Kasernen und Verbände nach Soldaten benannt, die "treu und tapfer" ihrem Kaiser und/oder Führer, in einigen Fällen auch der "freiheitlich demokratischen Grundordnung" gedient haben. Obwohl der gültige Traditionserlass bestimmt, dass "Kasernen und andere Einrichtungen ... nach Persönlichkeiten benannt werden, die sich durch ihr gesamtes Wirken oder eine herausragende Tat um Freiheit und Recht verdient gemacht haben", tragen auch heute noch zahlreiche Bundeswehr-Einrichtungen Namen von Tätern, die an Angriff- und Vernichtungskriegen aktiv mitgewirkt haben.

Für die Bundeswehr traditionswürdig sind (Stand Februar 2014):

Peter-Bamm-Kaserne in Munster (seit 1986, Kasernenaufgabe 2021 geplant)
Bamm war während des 2. WK Stabsarzt. Bis zuletzt verfasste er Leitartikel in der Wochenzeitung "Das Reich"; Herausgeber Joseph Goebbels.

Jagdbombergeschwader 31 "Boelke" in Kerpen/Nörvenich (seit 1961)
Oswald Boelke war im 1. WK Kampflieger und Begründer der Jagdfliegerei. 1916 tödlich verunglückt.

Freiherr-von-Boeselager-Kaserne in Munster (seit 1984)
Philipp-Freiherr-von-Boeselager-Kaserne in Gelsdorf (seit 2009)
Oberst Georg Freiherr von Boeselager, seit 1934 Soldat der Wehrmacht, war am Angriff auf Polen, Frankreich und die Sowjetunion "an vorderster Front" beteiligt. Er plante 1943 einen Anschlag auf Hitler. An der Ostfront war er bis August 1944 u.a. an Anti-Partisanenaktionen beteiligt, in deren Rahmen er verbrecherische Befehle und Anweisungen formulierte. Nach seinem "Heldentod" wurde er postum befördert und erhielt die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub.

Generaloberst-Dietl-Kaserne (seit 1964, Umbenennung 1995)
Dietl, Berufssoldat der kaiserlichen Armee, der Reichswehr und der Wehrmacht, war dem deutschen Faschismus und Hitler eng verbunden. Er war frühes Mitglied der NSDAP. Als überzeugter Nazi und General der Gebirgstruppe hielt er während des 2. WK öffentlich Durchhaltereden: "Der Frontsoldat weiß, dass es sich um den Schicksalskampf des deutschen Volkes handelt, daß sich die Juden der ganzen Welt zusammengeschlossen haben zur Vernichtung Deutschlands und Europas. (...) Der Krieg ist der unerbittliche Läuterer der Vorsehung. Ich erkläre feierlich: Ich glaube an den Führer!" Hitler nannte ihn seinen "Mustergeneral". 1944 verunglückte Dietl tödlich. Die Umbenennung 1995 erfolgte gegen Proteste aus der Truppe, insbesondere durch den "Kameradenkreis der Gebirgstruppe", einem Zusammenschluss ehemaliger Wehrmachtsangehöriger und aktiver Soldaten der Bundeswehr.

General-Fahnert-Kaserne in Karlsruhe (seit 1964)
Der General der Luftnachrichtentruppe diente sowohl im 1. wie im 2. WK.

General-Fellgiebel-Kaserne in Pöcking (seit 1960)
Erich Fellgiebel war von 1938 bis 1944 Leiter des Nachrichtenwesens der Wehrmacht. In dieser Funktion unterband er die Weitergabe von Berichten der Funkaufklärung an Hitler, um diesen nicht zu belasten. Er war an der Verschwörung des 20. Juli beteiligt, ist deshalb zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Am Tag des Anschlags war er in der „Wolfsschanze“. Er hatte die Aufgabe, die Nachrichtenverbindungen nach dem Attentat zur Außenwelt zu kappen und die Mitverschwörer im Berliner Bendlerblock zu informieren. Beides führte er unzureichend durch. Nach Berlin meldete er: „Es ist etwas Furchtbares geschehen: der Führer lebt!“. Mit dieser unklaren Meldung stiftete er Verwirrung, schaffte jedenfalls keine Klarheit. Nach dieser Meldung gingen die Mitverschwörer in Berlin zum Mittagessen. Auch die Nachrichtenleitungen wurden nicht völlig unterbrochen. So wurde Goebbels etwa 18 Minuten nach der Explosion telefonisch vom Attentat unterrichtet. Auch blieben die Leitungen der SS unbehelligt.

Generaloberst-von-Fritsch-Kaserne in Pfullendorf (seit 1959, Umbennung 12/2013)
Fritsch-Kaserne in Koblenz (seit 1964, Kasernenaufgabe 2007)
Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Celle (seit 1970, Kasernenaufgabe 2008)
Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Breitenburg (seit 1959, Kasernenaufgabe 2006)
Werner Freiherr von Fritsch, Berufssoldat im 1. WK, war von 1935 bis 1938 Oberbefehlshaber des Heeres. Er war nach eigenen Aussagen fleißiger Leser von Hitlers "Mein Kampf". Fritsch war ein nationalistischer Anti-Demokrat und Antisemit. Für ihn galt es, "3 Schlachten siegreich zu schlagen": "1. Die Schlacht gegen die Arbeiterschaft, sie hat Hitler siegreich geschlagen; 2. gegen die katholische Kirche (...) u. 3. gegen die Juden. In diesen Kämpfen stehen wir noch mitten drin." In einem Tagesbefehl von 1935 heißt es: "Wer schädigend gegen den NS-Staat handelt, ist ein Verbrecher." Fritsch wurde 1938 entlassen. Beim Überfall auf Polen starb er beim Sturm auf Warschau den sogenannten "Heldentod".

Generalmajor-Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne in Euskirchen (seit 1981)
Als Abwehroffizier der Heeresgruppe Mitte kritisierte er im Dezember 1941 die Erschießungen von Juden, Kommissaren und Gefangenen als "Verletzung der Ehre der deutschen Armee". Ein von ihm geplantes Attentat auf Hitler schlug 1943 fehl. Trotz seiner hitlerfeindlichen Einstellung kämpfte er bis zur Kapitulation der Wehrmacht und damit für den Erhalt des NS-Regimes.

General-Henke-Kaserne in Neuwied (seit 1968, Kasernenaufgabe 2007)
Generalmajor Carl Henke "kämpfte bis zur letzten Patrone gegen eine erdrückende Übermacht". Ende April 1945 erschoss er sich selbst, um nicht in sowjetische Gefangenschaft zu geraten.

General-Heusinger-Kaserne in Hammelburg (seit 1986)
Adolf Heusinger begann seine militärische Karriere als Kriegsfreiwilliger 1915. Von 1940 bis 1944 war er Chef der Operationsabteilung im Oberkommando des Heeres. Er hatte ständigen Kontakt mit Hitler und leitete an führender Stelle den Vernichtungskrieg insbesondere gegen die Sowjetunion. Obwohl er nicht zum militärischen Widerstand zählte, geriet er nach dem 20. Juli 1944 unter Verdacht und wurde von militärischen Aufgaben freigestellt. 1950 wurde er von Adenauer als "Ratgeber des Bundeskanzlers für Fragen der militärischen Sicherheit" herangezogen und wurde 1957 erster Generalinspekteur der Bundeswehr.

General-Hüttner-Kaserne in Hof a.d. Saale (seit 1985, Umbenennung 2013)
Hans Hüttner, General der Wehrmacht, wird in dienstlichen Beurteilungen als "überzeugter Nationalsozialist" und als ein soldatischer Führer, der "vom Nationalsozialismus erfüllt ist", bezeichnet. Am 20. April 1943, an "Führers" Geburtstag, hielt Hüttner in Hof eine Durchhalterede: "Einmal wird auch dieser Krieg siegreich zu Ende gehen und dazu wollen wir alle unserem Führer helfen!" Hüttner war von 1905 bis 1945 Soldat.

Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" in Jagel/Schleswig (seit 1961)
Max-Immelmann-Kaserne in Manching (Kasernenaufgabe II/2015 geplant)
Immelmann war im 1. WK Jagdflieger. Hoch dekoriert ist er 1916 von der eigenen Artillerie abgeschossen worden. Nach Immelmann waren Hitlers Transportflugzeug und ein Stukageschwader der Wehrmacht benannt.

General-Kammhuber-Kaserne in Karlsruhe (seit 1988, Kasernenaufgabe 2011)
Josef Kammhuber war 1914 Kriegsfreiwilliger und wurde Berufssoldat. 1923 weigerte er sich, gegen Hitlers Putsch in München vorzugehen. Als Chef des Luftwaffen-Organisationsstabs, Kommandeur von Kampfgeschwadern und Luftflotten kämpfte er bis zur Kapitulation der Wehrmacht für Nazi-Deutschland. 1956 wurde er in die Bundeswehr aufgenommen und wurde u.a. Inspekteur der Luftwaffe.

General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall (seit 1966, Umbennennung 2012)
Aus einem Tagesbefehl von Januar 1942 des Generals der Gebirgstruppe Rudolf Konrad: "Dem Führer und seinem Werk gehört unsere ganze Hingabe. Wir wollen es hüten und siegreich tragen durch das neue Jahr zum Heile Deutschlands."

General Ludwig Kübler-Kaserne in Mittenwald (seit 1964, Umbenennung 1995)
Früh mit dem deutschen Faschismus sympathisierten, war er bereits zu Beginn des 2. WK bekennender Nazi. Er ging an der Ostfront und insbesondere im Gebiet des westlichen adriatischen Küstengebietes auf dem Balkan mit verbrecherischer Härte gegen die Widerstandsbewegungen vor. Ein 1944 von ihm erteilter Befehl an die Truppe führte zu seiner späteren Verurteilung als Kriegsverbrecher. In diesem Befehl hieß es u.a.: "Terror um Terror! (...) Im Kampf ist alles richtig und notwendig, was zu Erfolg führt." Er wurde durch ein jugoslawisches Militärgericht zum Tode verurteilt.

Krafft-von-Dellmensingen-Kaserne in Garmisch-Partenkirchen (seit 1937, Kasernenübergabe unter Beibehaltung des Namens an US-Streitkräfte 1994, Tilgung des Namens 2011)
Als Kommandeur des deutschen Alpenkorps setzte er in der 12. Isonzo-Schlacht im Oktober 1917 Giftgas ein. Nach 1918 war er Anlaufstelle für republikfeindliche Kräfte in Bayern. Er sollte nach dem Kapp-Putsch als Diktator von Bayern ausgerufen werden.

Unteroffizier-Krüger-Kaserne in Kusel (seit 1966, Kasernenaufgabe III/2014 geplant)
Die Bundeswehr ehrt den Feldartilleristen, weil er "durch seinen im ersten Weltkrieg bewiesenen Heldenmut bis heute eine Vorbildfunktion hat. (...) Nachdem er, allein an seinem Geschütz verblieben, den Befehl für den Rückzug überhört hatte, vernichtete er in heldenhafter Weise 16 feindliche Panzer, bevor er selbst verwundet wurde und wenig später seinen Verletzungen erlag."

Lent-Kaserne in Rotenburg (seit 1964)
Oberst Helmut Lent war "mit 110 Abschüssen und ca. 300 Feindflügen Inhaber der höchsten Tapferkeitsauszeichnungen, des Ritterkreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten. Er war als Nachtjäger das, was Oberst Mölders für die Tagjagd war, ein Leitbild für die gesamten Nachtjäger", so eine Broschüre der Bundeswehr. Aus Görings Gedenkrede vom 11. Oktober 1944: „Unser Lent war ein begeisterter Soldat, ein harter und zäher Kämpfer, ein strahlender Held. Er war aber nicht nur Soldat, nicht nur Kämpfer, er war auch ein leidenschaftlicher Anhänger unserer nationalsozialistischen Weltanschauung und auch hier Erzieher und Vorbild seiner Männer. Er wußte um die großen Kräfte, die aus dieser Bewegung strömen."

Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bad Segeberg (seit 1964, Kasernenaufgabe 2009)
Von-Lettow-Vorbeck-Kaserne in Leer (1938, Umbenennung 2010)
Paul von Lettow-Vorbeck hat den Kolonialbesitz des kaiserlichen Deutschlands verteidigt. 1901 kommandierte er die Niederschlagung des Boxeraufstandes in den deutschen Kolonien in China, 1904 schlug er den Hereroaufstand in der Afrika-Kolonie Deutsch-Südwest blutig nieder. Von 85.000 Hereros lebten ein Jahr später nur noch 23.000. Wahrend des 1. WK kommandierte er die ostafrikanische "Schutztruppe" gegen die Alliierten. Hierfür wurden Einheimische zwangsrekrutiert und Dörfer rücksichtlos ausgeplündert. Mehr als 400.000 Afrikaner kamen dabei ums Leben. Nach dem 1. WK ließ er 1919 den Arbeiteraufstand in Hamburg niederschießen. 1920 beteiligte er sich als Reichswehroffizier aktiv am rechtsgerichteten Kapp-Putsch, um die Weimarer Republik zu eliminieren. Lediglich aus der Reichswehr entlassen, wurde ein juristisches Verfahren nicht verfolgt. Nationalkonservativ und rechtsgerichtet begrüßte er die NS-Machtübernahme und den darauf folgenden Krieg.

Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst (seit 1970)
Seit 1941 Soldat an der Ostfront, wo Dirk Lilienthal 1944 getötet wurde. Für seinen Einsatz als Panzer-Jäger erhielt er das Ritterkreuz.

Mackensen-Kaserne in Hildesheim (seit 1964, Kasernenaufgabe 2008)
August von Mackensen war während des 1. WK einer der populärsten Heerführer. Rücksichtslos setzte er Giftgas ein, kommentierte die Ermordung Erzbergers: „Den Schädling sind wir los...“, verdammte das Attentat vom 20. Juli als „fluchwürdiges Attentat“ und richtete 1944 einen Aufruf an die Jugend zu „Opferbereitschaft und Fanatismus“. Mackensen hielt bis zuletzt an Hitler fest.

Marseille-Kaserne in Appen (seit 1975)
Hauptmann Hans-Joachim Marseille, Jagdflieger v.a. in Afrika eingesetzt, war ein NS-Kriegsidol. Er trat 1938 freiwillig in die Wehrmacht ein, schoss 158 gegnerische Flugzeuge ab, bevor er 1942 abstürzte und starb.

General-Medem-Kaserne in Holzminden (seit 1964, Umbenennung 2013)
Freiherr von Medem war im 2. Weltkrieg u.a. Kommandeur einer Pionierschule und zeitweise ehrenamtlicher Richter am Volksgerichtshof. Medem wurde 1953 in der Sowjetunion zum Tode verurteilt.

Jagdgeschwader "Mölders" (seit 1973, Umbenennung 2005)
Werner-Mölders-Kaserne in Visselhövede (seit 1968, Umbenennung 2005)
Werner Mölders trat 1930 der Reichswehr bei. In der "Legion Condor", die die faschistischen spanischen Putschisten unterstützte, war er der "erfolgreichste" Jagdflieger. Bis zu seinem Unfalltod 1941 war er der Jagdflieger mit der höchsten Anzahl abgeschossener Flugzeuge im 2. WK. Er erhielt ein Staatsbegräbnis. Auch die Wehrmacht benannte ein Jagdgeschwader nach ihm.
Der Bundestag beschloss 1998, Kasernenbenennungen nach Angehörigen der Legion Condor abzuändern. Erst 2005, gegen erheblichen Widerstand des Militärs, setzte der Verteidigungsminister den parlamentarischen Beschluss um.

General-Olbricht-Kaserne in Leipzig (seit 1992)
Friedrich Olbricht war seit 1907 Berufssoldat. Gegenüber der NSDAP ging er seit den 1920er Jahren auf Distanz. Dies hinderte ihn nicht daran, eine Division beim Angriff auf Polen zu befehligen. Für seinen Einsatz erhielt er das Ritterkreuz. Seit 1940 General und Chef des Allgemeinen Heeresamts im Oberkommando der Heeresleitung, wurde er 1943 zusätzlich Leiter des Wehrersatzamtes im Oberkommando der Wehrmacht. An Attentatsplänen war er seit 1942 beteiligt. Nach dem Attentat Stauffenbergs im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" erreichte Olbricht in Berlin nur eine unklare Nachricht über den Ausgang des Attentats. Olbricht zögerte deshalb den Umsturzbefehl um einige Stunden hinaus. Er wendete sich außerdem gegen die Erschießung von Führungskräften des Militärs und der SS.

Gunther-Plüschow-Kaserne in Mending (seit 1964, Kasernenaufgabe 2008)
Er "verteidigte" 1914 als Flieger die deutschen Schutzgebiete in China gegen britische und japanische Truppen. In einer Broschüre der Bundeswehr wird er gerühmt, "die ersten Bombeneinsätze der Kriegsgeschichte" geflogen zu haben.

Jagdbombergeschwader 71 "Richthofen" in Wittmund (seit 1961)
Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen war im 1. WK Jagdflieger und wurde 1918 abgeschossen.

Generalfeldmarschall Rommel-Kaserne in Augustdorf (seit 1961)
Rommel-Kaserne in Dornstadt/Ulm (seit 1965)
Erwin Rommel war seit 1910 Berufssoldat. Beim Angriff auf Polen kommandierte er eine Panzerdivision. Noch vor dem Einmarsch in Polen schrieb Rommel "Die deutsche Wehrmacht ist das Schwert der neuen Weltanschauung." Als Oberbefehlshaber des Deutschen Afrika-Korps ist er als "Wüsten-Fuchs" legendär geworden. Nach der Landung der Alliierten in Sizilien übernahm er zunächst das Kommando in Norditalien. Nach der Kapitulation Italiens war er für Verbrechen gegenüber italienischen Soldaten und ZivilistInnen verantwortlich: "Irgendwelche sentimentalen Hemmungen des deutschen Soldaten gegenüber Badogliohörigen Banden in der Uniform des ehemaligen Waffenkameraden sind völlig unangebracht. Wer von diesen gegen den deutschen Soldaten kämpft, hat jedes Anrecht auf Schonung verloren und ist mit der Härte zu behandeln, die dem Gesindel gebührt, das plötzlich seine Waffen gegen seinen Freund wendet." Zu Unrecht ist er über Jahrzehnte zum Widerstand gerechnet worden, da er über die Pläne des Umsturzes gegen Hitler informiert war. Er übte aber lediglich Kritik an Hitlers Kriegsführung. Als Rommel vom missglückten Attentat erfuhr, schrieb er an seine Frau: "... hat mich das Attentat auf den Führer besonders stark erschüttert. Man kann Gott danken, daß es so gut abgegangen ist." Rommel verübte im Oktober 1944 Selbsttötung, als er vor die Wahl gestellt wurde, entweder eine Giftkapsel zu schlucken oder wegen Hochverrats vor den Volksgerichtshof gestellt zu werden. Innerhalb des Heeres werden bei Manövern bzw. Vergleichskämpfen besonders hervorstechende Panzerverbände auch heute noch mit dem "Rommel-Preis" ausgezeichnet.

Schäfer-Kaserne in Bückeburg (seit 1972)
Emil Schäfer war Jagdflieger im 1. WK.

Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne in Immendingen (seit 1967, Kasernenaufgabe III/2016 geplant)
Josef Schreiber trat 1938 freiwillig in die Wehrmacht ein. An der Ostfront ist er seit 1945 vermisst. Der Infanteriesoldat »ist zum Vorbild für alle deutschen Soldaten geworden«, heißt es in der Schrift »30 Jahre Garnison Immendingen«. Das Ritterkreuz mit Eichenlaub erhielt er für »dreißig Nahkämpfe« an der Ostfront.

Schulz-Lutz-Kaserne in Munster (seit 1977)
Adelbert Schulz war seit 1935 Soldat. "Panzer-Schulz" war hoch dekoriert (Ritterkreuz mit Brillanten). Am 3. Februar 1944 meldete der Völkische Beobachter, das Zentralorgan der Nazis: "Generalmajor Adalbert Schulz ist gefallen, Held vieler Panzerschlachten. Er war hart wie Stahl, und er war so ein wahrer Panzermann. Furchtlos war er, dieser Mann. Generalmajor Schulz ist tot. Rattern der Panzermotore, Klirren der Raupenketten, Krachen der Panzerkanonen - das ist sein Trauermarsch." Im Heeresbericht vom 28. Januar 1944: "Schicksal und Haltung dieses Mannes sind ein leuchtendes und verpflichtendes Vorbild." Ein verpflichtendes Vorbild für die Traditionspfleger der Bundeswehr allemal.

General-von-Seidel-Kaserne in Trier (seit 1965, Kasernenaufgabe 2011)
Hans-Georg von Seidel diente Kaiser und Führer. In der Wehrmacht stieg er vom Major zum General auf, überlebte den Krieg.

General-Hans-Graf-Sponeck-Kaserne in Germersheim (1966)
Beim Angriff auf die Sowjetunion 1941 war er dabei. Im Dezember übernahm er das Kommando über ein Armeekorps. Entgegen den Befehlen Hitlers räumte er in aussichtsloser militärischer Lage Ende 1941 die Halbinsel Kertsch auf der Krim. Er wurde wegen Ungehorsam zum Tode verurteilt und 1944 hingerichtet.

Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen (seit 1961, Kasernenaufgabe IV/2015 geplant)
Graf-Stauffenberg-Kaserne in Dresden-Albertstadt (seit 2013)
Claus Schenk Graf von Stauffenberg trat 1926 in die Reichswehr ein. 1933 bildete er SA-Mitglieder aus und organisierte die Übergabe illegaler Waffen-Depots an die Reichswehr. Er war am Einmarsch in das tschechische Sudetenland beteiligt, den Krieg gegen Polen führte er in einer Panzerdivision. Er sympathisierte mit den Nazis und war Antisemit. Seit Herbst 1942 war er davon überzeugt, dass der Krieg nicht gewonnen werden konnte. Er schloss sich deshalb und wegen der Verbrechen gegenüber den Menschen in den besetzten Gebieten dem militärischen Widerstand an. Dennoch stand, wie der Historiker Hans Mommsen bemerkt, im Mittelpunkt seiner und Hennig von Tresckows Erwägungen, "die Erhaltung der Armee und die Abwendung einer vernichtenden militärischen Niederlage". Der Erhalt des Deutschen Reiches war für ihn von zentraler Bedeutung. In ersten Entwürfen für eine neue Regierung lehnte er die parlamentarische Demokratie ab. Am 20. Juli 1944 misslang sein Attentat auf Hitler.

Jagdgeschwader 73 "Steinhoff" in Laage (seit 1997)
General-Steinhoff-Kaserne in Berlin-Gatow (seit 1994)
Johannes Steinhof trat als Freiwilliger 1934 in die Kriegsmarine ein. Ein Jahr später wechselte er zur Luftwaffe. Während des 2. WK war er Jagdflieger, zuletzt eingesetzt als Kommodore des ersten Düsenjagdgeschwaders der Welt und schoss 176 "Feindflieger" ab. Er erhielt das Ritterkreuz mit Schwertern. Zwischen 1952 bis 1954 bereitete er in der "Dienststelle Blank" die Remilitarisierung mit vor. In der Bundeswehr setzte er seit 1955 seine soldatische Karriere fort. Von 1966 bis 1970 war er Inspekteur der Luftwaffe, danach bis 1974 Vorsitzender des NATO-Militärausschusses.

Tirpitzhafen in Kiel
Der Marinehafen in Kiel besteht seit 1867. Alfred Freiherr von Tirpitz hat im Rahmen der imperialistischen Politik des kaiserlichen Deutschlands die Marine zur zweitgrößten Hochseeflotte der Welt ausgebaut, um in Übersee ein “Platz an der Sonne” militärisch zu erobern. Marineminister und Großadmiral Tirpitz forderte im 1. Weltkrieg den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Nach ihm benannte die Wehrmacht ein Schlachtschiff, die Bundeswehr ihren Hafen.

Henning-von-Tresckow-Kaserne in Geltow bei Potsdam (seit 1992)
Henning-von-Tresckow-Kaserne in Oldenburg (seit 1961)
Henning v. Tresckow war bereits Soldat im 1. WK. 1924 trat er in die Reichwehr ein. Am Krieg gegen Polen als auch gegen Frankreich war er als erster Generalstabsoffizier einer Infanteriedivision beteiligt. 1941 als Generalstabsoffizier der Heeresgruppe Mitte mitverantwortlich für den Hunger- und Kältetod Zehntausender sowjetischer Kriegsgefangener und ZivilistInnen. Bereits 1938/39 wurde er zum Gegner Hitlers. Dies hinderte ihn aber nicht daran, sich an Kriegsverbrechen gegenüber "Banden" und Juden in den eroberten Ostgebieten zu beteiligen. Er wird von der Bundeswehr als Mitverschwörer des 20. Juli geehrt.

Drei weitere Liegenschaften haben bis zu ihrer Aufgabe 2008 revanchistische Namen getragen:
Pommern-Kaserne in Wolfhagen und in Fürstenau
Ostpreußenkaserne in Homberg.

Wir danken Jakob Knab, Sprecher der "Initiative gegen falsche Glorie", für Anregungen und Hinweise.

Weiterführende Literatur:

Publikationen zu militärkritischen, friedenspolitischen und wehrpflichtrelevanten Themen

Die Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung e.V. löst sich
zum 31. Januar 2015 auf.

 

Letzte Aktualisierung:
Dezember 2014.

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