Zeittafel zum Nationalsozialismus bis zum 20. Juli 1944

1925
Hitlers Buch "Mein Kampf", bis Ende 1932 fast 300.000 mal verkauft, erscheint. Seine zentralen programmatischen Aussagen: Forderung nach Judenausrottung und Ostkrieg zur Eroberung von „Lebensraum".

30.01.1933
Reichspräsident Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler.

03.02.1933
Geheimrede Hitlers vor den führenden Kommandeuren der Reichswehr: “Ausrottung" des Pazifismus, Todesstrafe für Landesverrat, Einführung der Wehrpflicht und vor allem “die Wiederherstellung der deutschen Macht". Er lässt keinen Zweifel daran, wofür diese Macht eingesetzt werden sollte: zur “Eroberung neuen Lebensraumes im Osten und dessen rücksichtsloser Germanisierung."

28.02.1933
Der Reichspräsident erlässt einen Tag nach dem Reichstagsbrand die Verordnung "Zum Schutz von Volk und Staat". Diese bis 1945 in Kraft gebliebene Verordnung setzt das Grundrecht der Freiheit der Person, die Meinungs-, Presse-, Vereins-, Versammlungsfreiheit, das Post- und Fernsprechgeheimnis und die Unverletzlichkeit von Eigentum und Wohnung außer Kraft. Sie "legalisiert" die nun beginnenden Verbrechen. Rund 10.000 Menschen werden allein in Preußen bis Mitte März in "Schutzhaft" genommen (insbesondere KPD-Funktionäre, Sozialisten und Intellektuelle wie Erich Mühsam und Carl v. Ossietzky).

05.03.1933
Reichstagswahl: Die NSDAP erreicht trotz verfassungswidriger Behinderungen besonders von KPD, SPD und Zentrum und unter massiver finanzieller Wahlkampfunterstützung durch Großindustrie und Großfinanz nur 43,9% der Stimmen. Mit diesem Tag setzt schrankenloser Terror gegenüber Regimegegnern ein.

08.03.1933
Reichsinnenminister Frick kündigt Errichtung von Konzentrationslagern (KZ) an.

20.03.1933
Himmler gibt die Errichtung des KZ Dachau bekannt.

21.03.1933
Die erste Reichstagssitzung wird durch Propagandaminister Goebbels als "Tag von Potsdam" inszeniert. Bewusst wird Potsdam als Traditionsort preußischer Geschichte für die feierliche Konstituierung ausgewählt, um eine symbolische Verbindung "vom alten und neuen Deutschland" herzustellen. Die Stadt ist dicht beflaggt mit kaiserlichem Schwarz-Weiß-Rot und Hakenkreuzfahnen. Auf den Stufen der Potsdamer Garnisonkirche reicht Hitler mit tiefer Verbeugung dem 86jährigen Reichspräsidenten Hindenburg, bekleidet mit der Uniform des kaiserlichen Generalfeldmarschalls, ehrerbietig die Hand. In der Kirche drängen sich Repräsentanten von Wirtschaft und Verwaltung ebenso wie Offiziere und uniformierte Angehörige der SA.

Einlieferung der ersten Gefangenen in das KZ Oranienburg. SA-Trupps halten Tausende in etwa 50 Lagern und zahllosen "Bunkern" (allein 50 in Berlin) gefangen. Bis Ende April insgesamt rund 30.000 Festnahmen allein in Preußen. Nach Schätzungen werden bis Ende Oktober 1933 500 bis 600 Menschen ermordet und rund 100.000 inhaftiert.

01.04.1933
Reichsweiter, von NSDAP und Propagandaministerium organisierter Boykott jüdischer Geschäfte. Am 3. April wird der Boykott abgebrochen.

07.04.1933
Erste gesetzgeberische Maßnahme gegenüber Juden. Der "Arierparagraph" gebietet die Entlassung aller jüdischen Beamten, Arbeiter und Angestellten aus den Behörden sowie aller jüdischen Honorarprofessoren, Privatdozenten und Notare.

02.05.1933
Rollkommandos der SA besetzen Einrichtungen der freien Gewerkschaften, nehmen Funktionäre in "Schutzhaft". Die Gewerkschaften werden wenige Tage später restlos zerschlagen.

10.05.1933
Bücherverbrennung in Universitätsstädten.

14.10.1933
Austritt aus dem Völkerbund und aus der Abrüstungskonferenz in Genf ("Volksabstimmung" am 12. Nov.)

02.08.1934
Hitler übernimmt nach dem Tod des Reichspräsidenten Hindenburg dessen Amt. Hitler ist nun "Führer und Reichskanzler". Die Reichswehr wird auf Initiative des Reichswehrministers General Werner von Blomberg auf den "Führer“ vereidigt. ("Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.")

16.03.1935
Einführung der Wehrpflicht, Umbenennung der Reichswehr in Wehrmacht. Hitler erklärt öffentlich, die Rüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages nicht mehr anzuerkennen.

Mai 1935
Bis August werden die Boykottmaßnahmen gegen Juden verstärkt. Pogromartige Hetzkampagnen führen zu gewaltsamen Ausschreitungen in zahlreichen Städten. Der Besuch von Kinos, Schwimmbädern, Erholungsanlagen und ganzer Kurorte wird untersagt.

15.09.1935
Die "Nürnberger Gesetze“ werden Basis aller folgenden Ausnahmeregelungen gegen Juden.

07.11.1935
Öffentliche Vereidigung des ersten Rekrutenjahrgangs auf Hitler.

07.03.1936
Einmarsch in die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes durch die Wehrmacht unter Bruch des Völkerrechts (Locarnovertrags).

Juli 1936
Beginn des spanischen Bürgerkriegs. Deutschland mit der "Legion Condor" und Italien intervenieren zugunsten der Falangisten.

Herbst 1936
Die Wehrmacht plant ein Kriegsheer "von größtmöglicher Operationsfreiheit und Angriffskraft". Im Endziel sollte es "zu einem entscheidungssuchenden Angriffskrieg befähigt" sein.

24.06.1937
Geheime Weisung von Kriegsminister Blomberg: Tschechoslowakei mögliches Kriegsziel.

05.11.1937
Hitler legt in einer Führerbesprechung dem Oberbefehlshabern der Streitkräfte seine Kriegspläne dar. Er wolle "in absehbarer Zeit" gewaltsam vorgehen. Spätestens 1941 sollen Polen und Tschechoslowakei angegriffen werden. Fritsch lehnt Hitlers Kriegspläne aus militärfachlichen Gründen ab. Er versucht, die Generalität zum gemeinsamen "Streik“ zu bewegen, findet aber keine Verbündeten.

04.02.1938
Sowohl Blomberg als auch Fritsch werden aus ihren Ämtern entlassen. Blomberg, weil er eine ehemalige Prostituierte geheiratet hat und dies gegen die von ihm selbst verschärften Heiratsvorschriften für Wehrmachtsangehörige verstößt. Hitler nutzt die Affäre um Blomberg, um mit ihm Fritsch zu entlassen. Auflösung des Reichskriegsministeriums, Schaffung des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), Hitler übernimmt den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht.

12.03.1938
Deutsche Truppen marschieren in Österreich ein. Es wird dem Deutschen Reich angeschlossen.

30.05.1938
Weisung Hitlers an die Wehrmacht, die Zerschlagung der CSR vorzubereiten.

17.08.1938
Jüdinnen und Juden müssen die zusätzlichen Vornamen "Sara" bzw."„Israel" annehmen.

18.08.1938
Der Chef des Generalstabs des Heeres, Ludwig Beck, ersucht um seinen Rücktritt ein.

01.10.1938
Die Wehrmacht marschiert in das tschechische "Sudetenland" ein.

08.12.1938
Runderlass Himmlers zur systematischen Erfassung und erkennungsdienstlichen Behandlung aller "Zigeuner" im Reichsgebiet.

30.01.1939
Hitler kündigt vor dem Reichstag die Vernichtung der "jüdischen Rasse" für den Fall eines Weltkrieges an.

14.03.1939
Die Slowakei erklärt auf deutschen Druck ihre Unabhängigkeit und stellt sich unter den "Schutz" des Reiches. Das übrig gebliebene Staatsgebiet der einstigen Tschechoslowakei wird nach dem Einmarsch der Wehrmacht zum "Reichsprotektorat Böhmen und Mähren".

21.03.1939
Hitler verlangt von Polen die Rückgabe Danzigs und des Korridors.

23.03.1939
Die Wehrmacht marschiert ins litauische Memelgebiet. Es wird ins Reich eingegliedert.

03.04.1939
Weisung Hitlers an die Wehrmacht, den Angriffskrieg auf Polen vorzubereiten.

30.04.1939
Juden müssen "arische" Wohnhäuser räumen.

24.08.1939
Hitler äußert sich zum Angriff auf Polen vor den kommandierenden Generälen: "Den Anlaß zum Krieg werde ich schaffen. Es ist gleichgültig, ob er geglaubt wird oder nicht. Nach dem Sieg wird der Sieger nicht mehr gefragt, wie er den Krieg begonnen hat."

01.09.1939
Deutschland beginnt den 2. Weltkrieg durch den Angriff auf Polen. Am 6. Okt. ist die Eroberung Polens abgeschlossen. Teile Polens werden dem Reich einverleibt, der Rest wird "Generalgouvernement".

21.09.1939
"Einsatzgruppen", die den vorrückenden Wehrmachtsverbänden folgten, erhalten den Befehl, u.a. Juden in Ghettos zu konzentrieren. Sie ermorden Intellektuelle, Angehörige des katholischen Klerus und Juden zu Tausenden.

12.10.1939
Erste Deportationen von Juden aus Österreich und dem "Protektorat Böhmen und Mähren" nach Polen.

08.11.1939
Das von Georg Elser geplante und durchgeführte Attentat auf Hitler in München scheitert.

Dezember 1939
Erste Massendeportation von ca. 87.000 Juden und Polen aus den "eingegliederten Ostgebieten" ins "Generalgouvernement". Bis Juni 1941 wurden 365.000 Polen und 500.000 Juden deportiert.

12./13.02.1940
Erste Deportationen von Juden aus dem Reichsgebiet ins "Generalgouvernement". Die Wehrmacht stellt dazu Fahrzeuge bereit. Mit verantwortlich ist der stellvertretende Wehrkreisbefehlshaber in Stettin und frühere Kommandeur des Potsdamer Infanterie Regiments 9, Hans Feige.

09.04.1940
Deutscher Überfall auf Dänemark und Norwegen.

10.05.1940
Beginn des deutschen Angriffs im Westen unter Verletzung der Neutralität der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs. Am 22. Juni kapituliert Frankreich. Belgien und Teile Frankreichs bleiben militärisch besetzt. Luxemburg wird 1942 einverleibt.

31.07.1940
Hitler erklärt intern seinen Beschluss, die Sowjetunion anzugreifen. Vorrangige Ziele: Ausrottung der jüdisch-bolschewistischen Führungsschicht der Sowjetunion einschließlich der Juden in Ostmitteleuropa, Gewinnung von Kolonialraum für deutsche Siedler, Dezimierung der slawischen Massen und ihre Unterwerfung, Sicherung und Ausbeutung von Rohstoffen und Nahrungsmitteln.

Herbst 1940
Errichtung zahlreicher jüdischer Ghettos (Warschau, Lublin, Krakau, Lodz u.a.)

18.12.1940
Hitler-Weisung Nr. 21 ("Fall Barbarossa"): Wehrmacht soll die Sowjetunion "in einem schnellen Feldzug" niederwerfen.

11.02.1941
Einheiten der Wehrmacht landen in Nordafrika und bilden das Deutsche Afrika Korps.

17./30.03.1941
Hitler erläutert vor hohen Offizieren die Prinzipien der Kriegsführung im Osten: Der Russlandfeldzug sei als "Vernichtungskrieg" mit barbarischer Härte zu führen.

06.04.1941
Deutscher Überfall auf Jugoslawien und Griechenland. Kroatien wird unter der faschistischen Ustaschabewegung zum deutschen Satellitenstaat und Serbien fiel unter militärischer Verwaltung. Griechenland wurde unter deutscher und italienischer Militärverwaltung gestellt.

13.05.1941
Erlass Hitlers über die Ausschaltung der Kriegsgerichtsbarkeit im Krieg gegen die Sowjetunion: Straffreiheit bei gesetzwidrigen Vorgehen gegen Zivilisten; Ahndung von Straftaten Einheimischer gegen die Besatzungsmacht ohne Gerichtsverfahren.

06.06.1941
Kommissarbefehl des Oberkommandos der Wehrmacht sieht die Ermordung politischer Kommissare der Roten Armee vor : "In diesem Kampf ist Schonung und völkerrechtliche Rücksichtnahme diesen Elementen gegenüber falsch."

22.06.1941
Deutscher Überfall auf die Sowjetunion. Bis Ende 1942 werden über 1 Millionen Zivilisten durch "Einsatzgruppen" und Wehrmacht im Rahmen systematischer Tötungen von Juden, kommunistischen Funktionären, Zigeunern und anderen "unerwünschten Elementen" ermordet.

14.10.1941
Befehl zur Deportation von Juden aus dem Reichsgebiet in Ghettos in das Generalgouvernement.

21.10.1941
Erste deutsche Massenexekution in Jugoslawien als Repressalie gegen Partisanentätigkeit; in Kragujevac werden 2.300, in Kraljevo 2.100 Menschen erschossen.

Dezember 1941
Blitzkrieg gegen die Sowjetunion scheitert endgültig vor Moskau. Die Wehrmacht gerät unter starkem Druck. Am 19. Dez. übernimmt Hitler den Oberbefehl über das Heer.

Beginn der Ermordung von Juden in Vernichtungslagern durch den Einsatz von Gaswagen.

Juni 1942
Beginn der Massenvergasung von Juden in Auschwitz/Birkenau.

12.06.1942
"Generalplan Ost" gebilligt. Unter Voraussetzung des Kriegsgewinns sollen Polen und weite Teile der Sowjetunion "germanisiert" werden. Der Plan sieht die Umsiedlung von 31 Millionen Menschen, die "Zwangsgermanisierung" und die Ermordung weiterer Millionen Menschen vor.

Spätsommer 1942
Die Eroberungen hatten ihren größten geographischen Raum erreicht: von der französischen Atlantikküste bis zum Kaukasus, vom Nordkap bis Nordafrika stehen deutsche Truppen.

7./8.11.1942
Landung anglo-amerikanischer Truppen in Marokko und in Algerien.

24.01.1943
US-Präsident Roosevelt und britischer Premier Churchill beschließen auf einer Konferenz in Casablanca, nur die "bedingungslose Kapitulation" des Deutschen Reiches zu akzeptieren.

Januar/Februar 1943
An allen Fronten verliert die Wehrmacht endgültig ihre strategische Initiative.

02.02.1943
Die 6. Armee in Stalingrad kapituliert.

18.02.1943
Goebbels verkündet den "totalen Krieg".

13.05.1943
Das Deutsche Afrika Korps kapituliert.

05.07.1943
Letzte Versuch der Wehrmacht, an der Ostfront wieder in die Offensive überzugehen, scheitert (Unternehmen Zitadelle bei Kursk).

10.07.1943
Alliierte Landung auf Sizilien.

03.09.1943
Der Achsenpartner Italien kapituliert und wird durch deutsche Truppen besetzt.

Januar 1944
Sowjetische Truppen erreichen die Ostgrenze Polens.

06.06.1944
Alliierte Invasion an der französischen Atlantikküste.

20.06.1944
Sowjetische Partisanen legen in ihrer größten Aktion mit 10.000 Sprengungen das Eisenbahnnetz der zentralen Wehrmachts-Heeresgruppe Mitte lahm.

22.06.1944
Beginn der sowjetischen Großoffensive gegen die Heeresgruppe Mitte. Bis Mitte Juli bricht die zentrale Heeresgruppe Mitte zusammen, sowjetische Truppen erreichen Ostpreußen und den Weichselbogen.

20.07.1944
Gescheiterter Umsturzversuch des konservativ-nationalen Widerstands

Publikationen zu militärkritischen, friedenspolitischen und wehrpflichtrelevanten Themen

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