Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg

1. Geboren 15.11.1907, hingerichtet 20.07.1944.

2. 1926 Eintritt in das Bamberger Reiterregiment 17. 1930 Leutnant, 1933 Oberleutnant. Nach der Auflösung seiner Einheit Mitte 1934 Versetzung an die Kavallerieschule Hannover, dann Kommandierung an die Kriegsakademie in Berlin. 1937 Rittmeister (Hauptmann). Bis 1938 Generalstabsausbildung, dabei Bekanntschaft mit dem späteren Mitverschwörer Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim. 1938 zweiter Generalstabsoffizier (Ib) beim Divisionsstab der 1. Leichten Division unter Generalleutnant Erich Hoepner, mit dieser Herbst 1938 Teilnahme an der Besetzung des Sudetenlandes. Einsatz beim Überfall auf Polen. Anschließend Generalstabsoffizier bei der Westoffensive gegen Frankreich. 1941 Major. Nach wechselnden Verwendungen in der Organisationsabteilung des OKH Anfang 1943 Versetzung zur 10. Panzerdivision (Deckung für Rommels Rückzug in Afrika). Verwundung, Rückkehr nach Dt. noch vor der Kapitulation der deutschen Afrika-Truppen. 1943 Oberstleutnant. Im Oktober 1943 zum Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres, wenig später im Allgemeinen Heeresamt (dessen Leiter: General Olbricht) in Berlin ernannt. 1944 Oberst.

3. Stauffenberg begrüßte aus nationalen Gründen den NS-Machtantritt; der Weimarer Republik hatte er „reserviert“ gegenüber gestanden. Am 30.01.33 beteiligte er sich an einem Umzug begeisterter BambergerInnen zugunsten der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler.(1) Auch den Sieg über Frankreich registrierte er „mit großer und stolzer Genugtuung“. Ab 1941 arbeitete er in der Organisationabteilung im Generalstab des Heeres, wo er u.a. mit der Aufstellung und Ausbildung von Freiwilligen aus den verschiedenen Nationalitäten der UdSSR zu tun hatte. Gleichzeitig übte er bereits Kritik an der unmenschlichen Behandlung der Bevölkerung in den eroberten Gebieten. (2) V. Stauffenberg wandte sich „schon früh“ gegen den nationalsozialistischen Rassenantisemitismus.(3) Er kritisierte, dass mit der Reichstagsrede Hitlers vom 26.04.1942, in der er sich selbst zum obersten „Gerichtsherrn“ erklärte, nunmehr „jede Rechtlichkeit aufgegeben“ sei.(4)

V. Stauffenberg und Henning v. Tresckow erneuerten ihre frühere Bekanntschaft Im Sommer 1943. Von Juli bis Oktober 1943 war v. Tresckow von der Heeresgruppe Mitte wegversetzt worden und in diesem Zeitraum in Berlin, wo v. Stauffenberg ebenfalls Dienst tat, nämlich als Chef des Stabes im Allgemeinen Heeresamt. In dieser Verwendung war er mit der Planung für den Personal- und Materialeinsatz des Heeres betraut. Beide Offiziere waren einig darin, dass die Bevölkerung in den besetzten Gebieten menschenwürdig zu behandeln sei, und zwar „vor allem mit dem Ziel, mit russischen Freiwilligenverbänden den zunehmenden Personalmangel des Ostheeres zu überbrücken“.(5) Beide sollen sich einig darin gewesen sein, dass die Massenmorde an der sowjetischen Bevölkerung, besonders an den Juden, mit ihrem Verständnis preußisch-deutschen Soldatentums unvereinbar waren.(6) In diesen Monaten stellten die beiden Offiziere die Planungen zur Abwehr innerer Unruhen („Walküre“) durch das Ersatzheer so um, dass sie nach einem gelungenen Attentat als Basis für einen Staatsstreich dienen konnten.(7)

Welche politischen Ziele Stauffenberg verfolgte, ist „offen“ (Hans Mommsen). Er äußerte gegenüber Carl Goerdeler, es dürften „von keiner Seite Weimarer Zustände wieder aufgewärmt werden“.(8) Stauffenberg hatte nach Mommsen lediglich „vage, sozialromantisch und berufsständisch geprägte Vorstellungen“. (9) „Für Männer wie Tresckow und Stauffenberg stand die Erhaltung der Armee und die Abwendung einer vernichtenden militärischen Niederlage im Mittelpunkt ihrer Erwägungen. (...) Der Krieg, so äußerten sie, dürfte sich nicht gegen das russische Volk, sondern nur gegen das Sowjetsystem“ richten.(10) Mommsen berichtet über Quellen, laut derer Stauffenberg sich über ein „instinktive(s) Gefühl, daß die Sowjetunion nur mit Hilfe der dort lebenden Russen und der anderen vielen Völkerschaften zu schlagen war“, geäußert habe.(11) Ursprünglich habe Stauffenberg erklärt, „daß die Abrechnung mit dem NS-Regime erst erfolgen könne, wenn der Bolschewismus ausgeschaltet sei“.(12)

In den „Mittelpunkt der militärischen Konspiration“ rückte er unter dem Einfluss v. Tresckows, des Generals Friedlich Olbricht und des Oberleutnants Fritz-Dietlof Graf v. der Schulenburg. Er koordinierte Attentatspläne mit zivilen Vertretern des Widerstands, z.B. Goerdeler, Julius Leber, Vertretern des Kreisauer Kreises.(13) Obwohl James Graf v. Moltke (der im Januar 1944 verhaftet worden war) Vorbehalte gegen ein Attentat hatte, stellte sich die Mehrzahl der Vertreter des Kreisauer Kreises Stauffenberg zur Unterstützung eines Attentes zur Verfügung.(14) Nach einem gelungenen Umsturz sollte Stauffenberg Staatssekretär im Reichskriegsministerium werden.(15) Stauffenberg scheiterte bei Generalfeldmarschall v. Manstein mit dem Ansinnen, ihn als mögliche Spitzenfigur einer Erhebung zu gewinnen.(16) Angesichts der militärischen Lage nach der Landung der Alliierten in der Normandie kamen jedoch Zweifel am Sinn eines Attentats auf.(17) Henning v. Treckow soll Stauffenberg ermutigt haben.(18)

Im Sommer 1944 entschloss v. Stauffenberg sich, das Attentat selbst auszuführen, und dafür eine Lagebesprechung mit Hitler zu nutzen. Seit seiner Ernennung zum Chef des Stabes beim Chef der Heeresrüstung, Generaloberst Fromm, hatte er die Möglichkeit, Zugang zu Hitlers Lagebesprechungen im „Führerhauptquartier“ zu erhalten. Mehrere Termine im Juli 1944 ließ er ungenutzt verstreichen, da Göring und Himmler nicht zu den Besprechungen erschienen waren.(19) Nach dem Attentat am 20. Juli glaubte er, dass es gelungen sei, und konnte das Hauptquartier in letzter Minute vor der Abriegelung verlassen. Er flog nach Rangsdorf bei Berlin und begab sich in den Bendlerblock, um von dort den Umsturz energisch voranzutreiben. Die Mitverschwörer hatten noch nichts unternommen, erst nach Stauffenbergs Versicherung, Hitler könne das Attentat nicht überlebt haben, wurden Alarmierungsbefehle gemäß Plan „Walküre“ ausgelöst. Doch bei den Befehlsempfängern herrschten Zweifel, ob Hitler wirklich tot sei, die Befehle der Verschwörer wurden nicht befolgt. Der Rundfunk meldete, Hitler habe das Attentat überlebt, und es ergingen überdies weiterhin Befehle aus dem Führerhauptquartier, die auch befolgt wurden. Damit war der Staatsstreich gescheitert.(20) Direkt nach dem Scheitern des Umsturzes wurde v. Stauffenberg in der Nacht zum 21. Juli zusammen mit Friedrich Olbricht, Mertz von Quirnheim und Werner v. Haeften, seinem Ordonnanzoffizier, der das Attentat gemeinsam mit ihm geplant und ausgeführt hatte, im Hof des Bendlerblocks erschossen.



Anmerkungen:

(1) Gerd R. Ueberschär, Stauffenberg. Der 20. Juli 1944. Frankfurt am Main 2004, S. 89.
(2) Ebd.
(3) Peter Steinbach/Johannes Tuchel (Hrsg.), Lexikon des Widerstandes 1933-1945. München 1994, S. 184.
(4) Hermann Graml, Militärischer Widerstand. In: Wolfgang Benz/Walter H. Pehle (Hrsg.), Lexikon des deutschen Widerstandes. Frankfurt AM Main 1994, S. 94.
(5) Winfried Heinemann, Kriegführung und militärischer Widerstand im Bereich der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront. In: Gerd R. Ueberschär: NS-Verbrechen und der militärische Widerstand gegen Hitler. Darmstadt 2000, S. 84.
(6) Ebd.- Vgl. dazu jedoch Haltung und Handeln v. Tresckows an der Ostfront.
(7) Ebd.
(8) Zitiert nach Hans Mommsen, Die Stellung der Militäropposition im Rahmen der deutschen Widerstandsbewegung gegen Hitler. In: Ueberschär 2000, S. 123. Quelle: Spiegelbild einer Verschwörung. Die Kaltenbrunner-Berichte an Bormann und Hitler über das Attentat vom 20. Juli. Geheime Dokumente aus dem ehemaligen Reichssicherheitshauptamt. Hrsg. vom Archiv Peter, Stuttgart 1961, S. 206.
(9) Mommsen ebd., S. 123 f.
(10) Ebd., S. 125.
(11) Ebd.- Vgl. auch: Heinemann in Ueberschär 2000.
(12) Mommsen ebd., S. 127.
(13) Steinbach/Tuchel 1994, ebd.
(14) Hans Mommsen, Bürgerlicher (nationalkonservativer) Widerstand. In: Benz/Pehle 1994, S. 58 ff.
(15) Steinbach/Tuchel 1994, ebd.
(16) Hermann Graml, Militärischer Widerstand. In: Benz/Pehle 1994, S. 95f.
(17) Ebd., ebenfalls in Benz/Pehle 1994: Teil II. Lexikon, Stichwort: 20. Juli 1944, S. 325 ff.
(18) Ebd. in Benz/Pehle 1994: Teil II. Lexikon, Stichwort 20. Juli S. 326.
(19) Benz/Pehle 1994: Teil II. Lexikon, Stichwort: Attentate auf Hitler, S. 167.
(20) Benz/Pehle 1994: Teil II. Lexikon, Stichwort: 20. Juli 1944, S. 325 ff.

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