Oberleutnant der Reserve Peter Graf Yorck von Wartenburg

1. Geboren 13.11.1904, hingerichtet am 8.8.1944.

2. 1923 bis 1926 in Bonn und Breslau Studium der Rechts- und Staatswissenschaften. Promotion 1927, 1930 Assessor, Tätigkeit als Anwalt und am Oberpräsidium in Breslau. 1936 bis 1941 Referent für Grundsatzfragen beim Reichskommissar für die Preisbildung in Berlin. 1938 Leutnant der Reserve, 1939 Oberleutnant der Reserve. 1939 Einberufung als Reserveoffizier. Ab 1942 im Wirtschaftsstab Ost beim OKW in Berlin.

3. „Zunächst sah er im Nationalsozialismus eine Möglichkeit, die Erniedrigung Deutschlands zu tilgen.“(1) Ab 1938 gab es jedoch Treffen in seiner Wohnung, bei denen unter Offizieren, Diplomaten und Verwaltungsbeamten eine „Reichsreform“ diskutiert wurde (2), der so genannte „Grafen-Kreis“.(3) Yorck v. Wartenburg arbeitete eng mit Helmuth James Graf von Moltke zusammen, ab 1940 im Kreisauer Kreis. Es wurden Arbeitsgruppen gebildet, die aus Sicherheitsgründen getrennt blieben, nur Moltke und Yorck waren über alle TeilnehmerInnen informiert.(4) Kontakte bestanden u.a. zu Ökonomen der „Freiburger Kreise“, die als Wirtschaftssachverständige u.a. vom Kreisauer Kreis konsultiert wurden, selbst aber nicht zum Verschwörerkreis gehörten. Diese Ökonomen sahen in der neoliberalen Theorie einer „staatlich veranstalteten Wettbewerbsordnung einen dritten Weg zwischen Laissez-faire-Liberalismus und Zentralverwaltungswirtschaft“.(5)

Yorck v. Wartenburg unterstützte den Attentatsplan nach „einigem Zögern“.(6) Er stand in engem Kontakt zu Claus Graf Schenk von Stauffenberg und sollte nach dem Umsturz Staatssekretär der Reichskanzlei werden.

Der „Wirtschaftsstab Ost“, in dem Yorck v. Wartenburg seit 1942 arbeitete, hatte die Aufgabe, die Ausplünderung der besetzten sowjetischen Gebiete zu organisieren und durchzuführen. Dort war Yorck als „stellvertretender Gruppenleiter I/Ia Wi(rtschaft) (...) zuständig für Treuhandfragen und die ‚Bearbeitung aller wirtschaftsstatistischen Unterlagen’“.(7) Der Wirtschaftsstab Ost lieferte z.B. die statistischen Unterlagen für eine Konferenz zur Partisanenlage und –bekämpfung beim Generalquartiermeister des Heeres (Eduard Wagner) im Mai 1943. „Diese betonten mit Hilfe von Tabellen, Diagrammen und schematischen Karten vor allem, die weißrussischen Partisanen bedrohten von den Pripjetsümpfen her die Lieferung Hunderttausender Tonnen ukrainischen Getreides an Wehrmacht und Reich, und in den Partisanengebieten seien über 1,5 Millionen Arbeitskräfte vorhanden, aber nicht greifbar. Die Aufbereitung dieser Unterlagen leitete Yorck.“(8) Eduard Wagner, der ebenfalls zu den Verschwörern gehörte, machte Yorck dafür zwar genaue Angaben, wie dies „drastisch zum Ausdruck zu bringen“ sei, aber Yorck verschärfte die erwünschte Tendenz noch.(9) Im Zusammenhang mit diesen Bemühungen und dieser Konferenz wurden in den Anti-Partisanen-Aktionen „Weichsel“ und „Seydlitz“ über 9.000 Menschen getötet und mindestens 29.000 „ausgesiedelt“ bzw. „für den Arbeitseinsatz erfaßt“. (10)

Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 wurde Yorck verhaftet, am 8. August 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet.





Anmerkungen:

(1) Ger van Roon, Widerstand im Dritten Reich. Ein Überblick. München, 4., neubearbeitete Auflage 1987, S. 147.
(2) Ebd.
(3) Wolfgang Benz/Walter H. Pehle (Hrsg.), Lexikon des deutschen Widerstandes. Frankfurt am Main 1994, darin: Teil II. Lexikon, Stichwort: Kreisauer Kreis, S. 248.
(4) Ger van Roon, ebd., S. 153.
(5) Benz/Pehle 1994, darin: Teil II. Lexikon, Stichwort: Freiburger Kreise, S. 208.
(6) Gerd R. Ueberschär, Stauffenberg. Der 20. Juli 1944. Frankfurt am Main 2004, S. 97.
(7) Christian Gerlach, Männer des 20. Juli und der Krieg gegen die Sowjetunion. In: Hannes Heer/Klaus Naumann, Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Hamburger Edition/Lizenzausgabe für Zweitausendeins 1995, S. 438 f.
(8) Gerlach in Heer/Naumann 1995, ebd.
(9) Gerlach in Heer/Naumann 1995, ebd., unter Bezug auf folgende Quellen: Chefgruppe La Ia 91/43 g.Kdos. vom 20.5.1943 über ein Telefonat mit Yorck vom selben Tag sowie Generalstab des Heeres/Der Generalquartiermeister an Wirtschaftsstab Ost vom 5.5.1943 (Abschrift); BA-MA RW 31/250, Bl. 46 und 50.
(10) Gerlach ebd. unter Verweis auf folgende Quellen: Vgl. Abschlußberichte über Einsatz im „Nassen Dreieck“ vom 10.6. und „Seydlitz“ vom 30.7.1943 im Kriegstagebuch der SS-Kavallerie-Division, Bundesarchiv Potsdam F 41848, Bl. 1188-90 und 1666-70 sowie Halbmonatsbericht des Chefs der Bandenkampfverbände vom 6.8. 1943, Zentrale Stelle Ludwigsburg, 202 AR-Z 52/59, Beweismittel Bd. X, Bl. 99.

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