Biographien zum 20. Juli 1944
Wer vom 20. Juli sprechen will, sollte von den Biographien der Akteure nicht schweigen. In der Nachkriegszeit als "Verräter" abqualifiziert, gelten sie heute als exponierte Vertreter des "deutschen Widerstands", vielen sogar als der Widerstand schlechthin.
Doch gerade die Militärs unter den Mitverschworenen waren jahrelang nicht nur Rädchen im Getriebe des NS-Staats, sondern mitverantwortlich für Aufrüstung, Kriegsvorbereitung und die konkrete Umsetzung des Angriffskrieges. Führende Militärs beispielsweise in der Heeresgruppe Mitte hatten Kenntnis von Massenverbrechen und unterstützten diese teilweise sogar - ungeachtet ihrer späteren Hitler-Gegnerschaft. In der militärhistorischen Forschung ist diese Rolle einzelner Mitverschworener heute in Details belegt; die Quellen sind in Archiven einsehbar, z.T. auch gedruckt. Die konservativ-nationalistische Haltung besonders der ehemaligen Reichswehroffiziere unter ihnen ist belegt. Viele von ihnen waren scharfe Gegner der Weimarer Republik, begrüßten deren Ende und machten sich sodann Elemente der nationalsozialistischen Ideologie zu eigen.
Die Motive der Militärs, gegen Hitler zu opponieren, sind unterschiedlich und in sich widersprüchlich. Die Konzepte, die in ihrem Umfeld diskutiert wurden, sind - soweit überliefert - national-konservativ statt demokratisch geprägt. Die bedingungslose Kapitulation und eine Zerschlagung des deutschen Reichs zu vermeiden oder wenigstens die "Ehre Deutschlands" zu retten, waren für sie vorrangig.
Es geht nicht darum, den Verschworenen persönlichen Mut und die Opferbereitschaft abzusprechen, die sie zweifellos bewiesen haben. Ihre konkrete Verantwortung in der Wehrmacht und im Krieg jedoch muss kritisch beleuchtet unterzogen werden. Unsere biographischen Angaben konzentrieren sich deshalb auf die Tätigkeit in der Wehrmacht. Ausgespart haben wir Zeugnisse überlebender Mitverschworener, Angehöriger und persönlicher FreundInnen, da diese vom (vielleicht verständlichen) Interesse geleitet sind, das Andenken der Attentäter nicht "beschmutzt" zu sehen. Weil die "Männer des 20. Juli" für Bundesregierung und Bundeswehr als nationale Identitäts- und Traditionsstifter einer deutschen Republik herhalten, ist es notwendig, ihre widersprüchliche Haltung und ihre Mitverantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen aufzuzeigen.
- Generaloberst a.D. Ludwig Beck
- General Erich Fellgiebel
- Generaloberst a.D. Erich Hoepner
- General der Infanterie Friedrich Olbricht
- Generalmajor Hans Oster
- Oberst Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim
- Oberleutnant der Reserve Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg
- Oberst i.G. Claus Schenk Graf von Stauffenberg
- General d. Infanterie Carl-Heinrich v. Stülpnagel
- Generalmajor Henning von Tresckow
- Generalquartiermeister des Heeres Eduard Wagner (OKH)
- Oberleutnant der Reserve Peter Graf Yorck von Wartenburg
- Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben
Darüber hinaus dokumentieren wir kritische Stimmen zur militärischen Opposition in einigen Zitaten.
