Bundeswehrchronik 1945 - 1955

1945

2. August 1945: Die vier Siegermächte einigen sich im Potsdamer Abkommen u.a. auf folgende Ziele:
"(I) Völlige Abrüstung und Entmilitarisierung Deutschlands und die Ausschaltung der gesamten deutschen Industrie, welche für eine Kriegsproduktion benutzt werden kann oder deren Überwachung. Zu diesem Zweck:
a) werden alle Land-, See- und Luftstreitkräfte Deutschlands, SS, SA, SD und Gestapo mit allen ihren Organisationen, Stäben und Ämtern, einschließlich des Generalstabes, des Offizierkorps, der Reservisten, der Kriegsschulen, der Kriegervereine und aller anderen militärischen und halbmilitärischen Organisationen zusammen mit ihren Vereinen und Unterorganisationen, die den Interessen der Erhaltung der militärischen Traditionen dienen, völlig und endgültig aufgelöst, um damit für immer der Wiedergeburt oder Wiederaufrichtung des deutschen Militarismus und Nazismus vorzubeugen;
(III) Die Nationalsozialistische Partei mit ihren angeschlossenen Gliederungen und Unterorganisationen ist zu vernichten; alle nationalsozialitischen Ämter sind aufzulösen; es sind Sicherheiten dafür zu schaffen, daß sie in keiner Form wieder auferstehen können; jeder nazistischen und militaristischen Betätigung und Propaganda ist vorzubeugen.
(IV) 5. Kriegsverbrecher und alle diejenigen, die an der Planung oder Verwirklichung nazistischer Maßnahmen, die Greuel oder Kriegsverbrechen nach sich zogen oder als Ergebnis hatten, teilgenommen haben, sind zu verhaften und dem Gericht zu übergeben. Nazistische Parteiführer, einflußreiche Nazianhänger und die Leiter der nazistischen Ämter und Organisationen und alle anderen Personen, die für die Besetzung und ihre Ziele gefährlich sind, sind zu verhaften und zu internieren." (Amtliche Verlautbarung über die Konferenz von Potsdam vom 17. Juli bis 2. August 1945. Auszug)

1946

Wehrmachtsgeneral Reinhard Gehlen als ehemaliger Leiter der militärischen Ostaufklärung der Wehrmacht wird in gleicher Funktion für US-amerikanische Dienststellen tätig. Die nach ihm benannte "Organisation Gehlen" wird später zum Bundesnachrichtendienst (BND), dessen erster Chef er wird.

1948

Wehrmachtsgeneral Adolf Heusinger wird in der "Organisation Gehlen" zum Chef der militärischen Auswertung. Für diese Aufgabe ist er durch seine langjährige Führung der Operationsabteilung des Oberkommandos des Heeres und ab 1940 als Generalleutnant auch dessen Chef sowie als stellvertretender Generalstabschef qualifiziert. Heusinger forderte bereits im Juni 1948 in Denkschriften, Westeuropa mit (west-)deutscher Beteiligung so weit wie möglich "vorne", mit betont offensiver Kampfführung, "zu verteidigen".

1949

3. Dezember 1949: Bundeskanzler Adenauer spricht zum ersten Mal in der Öffentlichkeit von einem westdeutschen "militärischen Beitrag".

1950

10. August 1950: Die drei Wehrmachtsgenerale Speidel, Heusinger und Foertsch übergeben Adenauer ein Sicherheitskonzept, in dem der "Wiederaufbau einer deutschen Wehrmacht" im europäisch-atlantischen Rahmen vorgesehen ist, da Westdeutschland "nie aus eigener Kraft" seine "Sicherheit" gewährleisten könne.

6. Oktober 1950: Auf einer geheim tagenden "Himmeroder Konferenz" fordern 15 hohe Offiziere der Wehrmacht, darunter 10 Generale, in einer Denkschrift die Remilitarisierung der BRD mit 12 Heeresdivisionen. Die ehemaligen militärischen Stützen des NS-Regimes verlangen, die neue deutsche Armee solle im Rahmen einer "atlantisch-europäischen Verteidigungsarmee" entstehen; gefordert wird die "gleichwertige Ausstattung der deutschen Verbände mit moderner Bewaffnung und Gerät" sowie die "Rehabilitierung des deutschen Soldaten". Für ihre Generals-Kameraden, die wegen zahlloser Massenverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit in alliierten Gefängnissen einsitzen, fordert die Himmeroder Militärrunde "Freilassung der als ´Kriegsverbrecher` verurteilten Deutschen". Das heißt: Die verurteilten Kriegsverbrecher der Wehrmacht wurden von den Männern, die die Gründung der Bundeswehr vorbereiteten, nicht als Kriegsverbrecher betrachtet!

28. Oktober 1950: Zum "Bevollmächtigten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen" wird Theodor Blank ernannt. Dieses "Amt Blank" bereitet den Aufbau von Streitkräften institutionell vor.

1951

16. März 1951: Gründung des "Bundesgrenzschutzes" als kasernierter, paramilitärischer Verband. Er dient als personelle Keimzelle für den Aufbau der Bundeswehr. Fast die Hälfte des BGS-Personals wird 1956 in die Bundeswehr übernommen, darunter fast 600 Offiziere.

1955

8. Juli 1955: Blank wird zum ersten "Bundesminister für Verteidigung" ernannt.
Bis zum 1. September 1955 liegen dem Verteidigungsministerium mehr als 152.000 Freiwilligenmeldungen vor. Sie unterteilen sich in 40.413 ehemalige Offiziere und 87.089 Unteroffiziere der Wehrmacht, ferner 24.664 Mannschaften sowie Ungediente. Wichtigstes Auswahlkriterium bei den Offizieren für die Wiedereinstellung in der Bundeswehr ist die ehemalige Zugehörigkeit zum Generalstab der Wehrmacht. Bis zum Ende des Jahres 1955 gibt es insgesamt 3117 Bewerber aus SS-Verbänden. Davon 1310 ehemalige Offiziere, 15 Offiziersanwärter, 5 Musiker, 1324 Unteroffiziere und 462 Mannschaften.

12. November 1955: 101 Soldaten erhalten von Blank ihre Ernennungsurkunden. Dies gilt als der "Geburtstag" der "neuen Wehrmacht". Über der Rednertribüne prangt ein fast fünf Meter großes Eisernes Kreuz.

Publikationen zu militärkritischen, friedenspolitischen und wehrpflichtrelevanten Themen

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