Am Hindukusch und anderswo
Vorbemerkung
Zehn Jahre nach dem Ende der Wehrmacht trat die Remilitarisierung der Bundesrepublik in eine neue Phase: Eine Wehr wurde gegründet. Sie sollte Wehrmacht heißen. Militärs gaben dazu den Anstoß, Militärs setzten ihre Vorstellungen um. Viele von ihnen hatten nicht nur in der Wehrmacht, sondern bereits in der Reichswehr gedient, einige schon im kaiserlichen Heer. Ihre Teilnahme an der Remilitarisierung Deutschlands im NS-Staat und ihre Erfahrung aus dem Vernichtungskrieg der Wehrmacht qualifizierte sie, erneut eine Armee aufzubauen, gerichtet gegen den immer gleichen Gegner. Allen vorgeblichen oder wirklichen reformerischen Bemühungen zum Trotz prägten die Gründerväter die deutsche Armee auch weiterhin. Sie erhielt schließlich nicht den Namen Wehrmacht, sondern Bundeswehr, doch eine klare Abkehr vom Geist der Wehrmacht und von ihren Traditionen, eine eindeutige Absage an deutsch-nationalen Militarismus ist bis heute nicht erfolgt.
War ihre Gründung noch von heftigen Protesten begleitet und ihre Entwicklung von Kritik aus antimilitaristischer und pazifistischer Perspektive, so hinderte das die Bundeswehr nicht, in der Bundesrepublik der 1990er Jahre schließlich zu einem Faktor militärgestützter Außenpolitik zu werden, der von breiten Teilen der Öffentlichkeit akzeptiert ist. Waren Anfang der 1950er Jahre antimilitaristische Haltungen und eine grundsätzliche Kritik am Militär, an seinen Aufgaben, an Krieg und Kriegführung verbreitetet - auch aus der Erfahrung des Krieges, eigener Schuld und Verstrickung -, ist eine prinzipielle Abkehr von Militarismus und Militär heute selten geworden. Krieg und Kriegsbeteiligung werden zwar in der Gesellschaft nach wie vor kritisch gesehen, deshalb spricht man in der Bundesre-publik auch nicht von Krieg, es sei denn andere führen ihn. Die reale deutsche Beteiligung am Krieg aber und die gegenwärtige Umrüstung der Bundeswehr für weltweite Kriegführung bleiben dabei ausgeblendet und werden weitestgehend kri-tiklos hingenommen. Das Bild des Militärs hat sich gewandelt, Kriege aber nicht. Das Soldatenhandwerk dient dem staatlich lizenzierten Töten und Morden. Eine eigentlich überflüssige, weil banale Feststellung, die jedoch der politisch-heuchlerischen medialen Inszenierung vom "guten Soldaten" entgegensteht. Vorgeblich sind deutsche Soldaten in Asien, Afrika und auf dem Balkan zum "Helfen, Retten und Schützen" im Einsatz. Tatsächlich vertreten sie mit der Waffe deutsche Interessen nach geostrategischem und politischem Kalkül.
Grundsätzliche Kritik tut Not, und die politische Analyse aus antimilitaristischer Perspektive muss den historischen Rückblick einschließen. Was sich zeigt, sind Kontinuitäten deutscher militaristischer Politik und ihrer Umsetzung durch das Militär.
Die Redaktion
im Auftrag der Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung e.V.
© PapyRossa Verlag Köln 2005
